Editorial des Präsidenten - 02 - TCS-Motorradgruppe

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Editorial des Präsidenten Markus Dürrenberger

Als Gründungsmitglied erlebe ich nun schon das 17. Vereinsjahr. Was ist die auffälligste Entwicklung in dieser Zeit?
Etwas fällt mir sofort ein: BMW. Es tönt wie ein Zauberwort.
Zu Anfang waren die Fahrzeuge dieser Marke genau so Exoten wie Harley Davidson’s. Wir machten böse Sprüche über BMW Besitzer und schenkten ihnen als wohlgemeinten Scherz zur GV eine Büchse Motorenöl. Wenn wir Japaner oben auf der Passhöhe warteten und genüsslich eine Zigarette rauchten, konnten wir die in den Kurven Funken stiebenden Gummikühe ankommen sehen.
Die Rachezeit kam schon bald. Was hat BMW nur besser gemacht als andere? Wenn ich eine Tour leitete, kam noch nie ein BMW-Fahrer zu mir und sagte: denk dran, ich muss nach 180 km tanken. Schlug das Wetter um, sassen die BMW Besitzer lässig auf ihren Thronen mit gewaltigem Vorbau und hohen Scheiben, beobachteten die Japanischen Wiesel beim Kleiderwechsel und betätigten die Schalter für Griffheizung und Sitzheizung. Ein Luxus wie bei den vierrädrigen Konstruktionen dieser Marke. Auch die Grösse des Vorbaus strahlte eine arrivierte Männlichkeit aus. Mann hatte was erreicht im Leben! Dass da ein paar PS fehlten, fiel eigentlich gar nicht auf. Auch hat es BMW sehr gut verstanden, in jedem ihrer Produkte ein paar unschöne Konstruktionsfehler einzubauen, damit die Deutsche Tuning- und Zubehörindustrie genügend Arbeit findet.
Aber was tut Frau? Bleibt ihr die Welt der Arrivierten versperrt? Nein keineswegs, BMW brachte zierliche und handliche Maschinen auf den Markt. Sie waren sogar für kurze Beine leicht umzubauen. Diese erlangten sich einen beachtlichen Ruf als Fahrschulmaschinen.
Im Zeitalter des Japanischen PS-Wahns konnte BMW nicht widerstehen und begann ebenfalls in diese Richtung zu entwickeln. Nun hatten sich zwei Mentalitäten getroffen PS-Gigantismus und Grössengigantismus. Wie bei den Computern die Inflation der CPU-cores, stiegen nun die Zylinderzahlen von eins auf zwei, von zwei auf vier und dann auf sechs. Nun hatte man sie alle im Sack die PS-Freaks genau so wie die Zylinder-Freaks und die Luxussüchtigen. Nur die billigen, hässlichen Vorratsgefässe für Hydrauliköl waren noch geblieben. Man konnte sie aber locker mit Teilen aus dem Zubehörbereich tauschen.
Und dann gibt es da eben noch diese unverbesserlichen Rebellen mit den Salatsieben auf dem Kopf (aus meinem letzten Editorial), keinen Elektrostarter, Zweizylinder 1600 Kubikzentimeter und 50 PS. Die sind durch gar nichts zu beeindrucken.
Ich wollte mir die gute alte Zeit erhalten und habe mir zum Geburtstag eine BMW K100 LT im Internet ersteigert für einen Franken. Dabei handelt es sich um das Topmodell damaliger Vorstellungen mit ABS erster Generation und elektrisch verstellbarer Frontscheibe. Nun bin ich am Geld verdienen um die angefallenen Reparaturrechnungen bis zur MFK-Abnahme bezahlen zu können. Ich bin auf der Suche nach einem Mechaniker, der sich noch auskennt mit dieser Gummikuh, auf der man bei schönem Wetter seine eigenen Eier kochen kann. Ein moderner BMW-Mechaniker hat mich kürzlich vor dem Service gefragt: Wo ist denn bei dieser Maschine der Computerstecker für das Auslesen der Fehlermeldungen? Nach einer Tourenwoche mit Frau und Gepäck brauche ich auch keinen weiteren Spot meiner Freunde mehr. Klar ist: mit diesem Gefährt habe ich in der Moderne keine Chance. Ich kann den Frauen nicht imponieren, die Japaner fahren mir um die Ohren und ich kann in der Liga der BMW-Männer mit weissem Hemd und schwarzem Gilet nicht mitspielen. Dafür fehlen mir noch zwei Zylinder und der Luxuskörper eines James Bond. Dafür bin ich vom miserablen Originalfederbein der K100 geschüttelt, aber nicht gerührt.
Ja, früher war eben alles noch anders, aber es ist schon gut so.


Last update: 08.10.2017
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