Editorial des Präsidenten - 19 - TCS-Motorradgruppe

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Präsidentenseiten > Archiv
Editorial des Präsidenten Markus Dürrenberger

Liebe Kolleginnen und Kollegen


Wir sind schon bald in der Mitte der Saison angekommen. Bei all unseren Vorhaben hatten wir mit dem Wetter Glück. Das war nicht immer so. In den letzten 24 Jahren unseres Clublebens gab es doch so manche Tour, die abgesagt wurde wegen erwartetem Dauerregen. Ich kann mich an einen solchen Tag erinnern. Ich hatte einen ganzen Freitag mit mir und meinem Gewissen gerungen, doch das innere Teufelchen sagte, hör auf die Wetterprognose und die ist ganz übel. Als ich dann am Samstagmorgen von der Sonne geweckt wurde, wusste ich, dass ich im falschen Film sass. Als dann noch ein Foto von unterwegs auf dem Clubtelefon ankam, welches diejenigen machten, die gar nicht mitbekommen hatten, dass die Tour wegen Starkregen abgesagt wurde, war mein Tag restlos versaut.

Früher musste man den ganzen Blick lesen, wenn man gut angelogen sein wollte, heute muss man bloss noch die Wetterprognose lesen. Damals, als wir eine Woche mit dem Club in den Bayrischen Wald fuhren, konnten wir unsere Regenkleider 7 Tage lang testen. Wir hätten vielleicht unser Hotel nicht in der Nähe von Regensburg wählen sollen. Der Name ist da Programm.

Nun habe ich dieses Jahr eben jene Kleider, die ich bei der Regenschlacht um Regensburg getestet habe in die Motorradwoche in die Dolomiten mitgenommen. Ja was soll ich euch sagen, ich habe eine Woche lang keinen Regentropfen gesehen. Während dem Gewitter in einer der Nächte habe ich geschlafen. Nun ist es üblich, dass Dauersonnenschein im Juni regelmässig zu Temperaturen über 30 Grad führt. Das ist kein Problem, wenn man in einer Kneipp-Anlage den Kopf 30 Sekunden in eiskaltes Wasser tauchen kann und in eben demselben Wasser herum waten darf. Sitzt man auf dem Motorrad mit schwarzer Schutzkleidung, Helm, Handschuhen und Stiefeln, hat man ein ganz anderes Empfinden.

Ich stehe an einer Baustellen-Ampel an einem Pass nachdem ich rassig bergauf gefahren bin und mein Motor schnurrt unter mir. Da beginnt der Kühlventilator zu laufen. Das tut er erst, wenn die Kühlwassertemperatur über 85 Grad steigt. Der Sattel erreicht 30 Sekunden später fast die gleiche Temperatur. Jetzt wird mir klar, warum so viele BMW Boxer verkauft werden. Die haben keine Wasserkühlung. Jetzt wird mir auch klar, warum die einheimischen Motorradfahrer derart in den Dolomiten herum rasen. Sie haben Blasen am Hinterteil und müssen möglichst schnell auf einen Pass, um ihren Hintern in einem Schneefleck zu kühlen.

In einer Zeitung, für deren Lektüre man 20 Minuten benötigt, wurde kürzlich eine Tabelle des Bundesamts für Statistik abgebildet. Sie beweist, dass Motorradfahrer bis zu 90 Grad heisse Sättel fahren. Heisse Maschinen, heisse Ärsche, perfekt für die Werbung.

Ich möchte allen Kaltduschern unter uns Motorradfahrern noch folgendes Beispiel erzählen. Ich habe kürzlich mal mit einem ex-Motorradfahrer geredet, der aus klimatischen Gründen auf ein Cabriolet umgestiegen ist. Er schwärmte von seiner Klimaanlage, die ihm erlaubt, bis 25 Grad Celsius mit offenem Verdeck zu fahren. Bei höheren Temperaturen muss er das Verdeck schliessen. Der entlockt mir nur ein mitleidiges Lächeln. Der Typ ist ja wirklich ganz unten angekommen. Schon das römische Reich ging unter, weil die Römer immer verweichlichter wurden.

Ich habe mal abends noch länger gearbeitet. Dabei entstand unglücklicherweise ein Elektrobrand. Der Feuermelder geht um diese Zeit direkt raus und drei Minutenspäter stand ein Mann im goldenen Anzug mit goldenem Helm vor mir. Er sah aus wie ein Alien aus dem Film. Er hatte Schutzkleidung an und versicherte mir, er könne damit durchs Feuer gehen. Warum bekommen wir Motorradfahrer keine solchen Sommer-Schutzkleider? Man stelle sich mal eine chromglänzende Harley vor auf dem ein goldener Rocker sitzt. Wie abgefahren muss denn das wohl sein? Die Scheuen unter uns könnten sich ja wenigstens ein Stück solchen Stoffs an den Hintern nähen lassen. Und die Italiener könnten gleich ihre Sättel so überziehen, dann müssten sie nicht mehr rasen.

Ja seht mich nur an. Ich habe 42 Jahre Motorrad fahren hinter mir. Ich fahre bei jedem Wetter, das ist Ehrensache (das Beispiel mit der abgesagten Tour mal ausgenommen). Bin ich nicht ein Held? Deshalb fahre ich ja so gern Motorrad. Es gibt mir das Gefühl, ein Held zu sein. Härter, stärker als alle diese Alltagsweicheier. Und das werde ich noch kurz vor meinem Kreislaufkollaps wegen Hitzestau denken. Ein echter Freak stirbt nicht im Bett. Ich hätte euch da noch einen Tipp. Wenn es heiss ist, viel temperiertes Mineralwasser trinken. Ein Espresso in einer Bar ab und zu reicht nicht. Ich brauche euch Clubmitglieder noch, ich möchte ja schliesslich für die nächste Amtsperiode als Präsident wiedergewählt werden.

Manche denken ja, sie würden es mit den Vorschriften ganz genau nehmen. Vorgeschrieben ist eigentlich nur das Tragen eines Schutzhelms. Ich rede jetzt nicht vom Ducati-Kalender, auf dessen Bilder sich vorbildlich entkleidete Damen auf Motorrädern dieser Marke räkeln. Nein ich rede von Vorschrifts-Fundamentalisten, die in der Badehose mit Muskelshirts und Jesussandalen bei 120 auf der Autobahn unterwegs sind. Ja was soll ich sagen, womöglich sterben die auch nicht im Bett?

Ich habe mich schon mal gefragt, was passieren würde, wenn ich nicht mehr Motorrad fahren dürfte. Im ersten Moment konnte ich mir das gar nicht vorstellen. Seit ich mich erinnern kann, bin ich Velo, Mofa oder Motorrad gefahren. Man sagt ja im Alter kehren sich diese Dinge wieder um. Für mich eine schreckliche Vorstellung. Lieber im Zeitalter der Elektromobilität Oldtimer-Motorräder fahren, das kann man mir nicht verbieten. Man kann einen altgewordenen Motorrad-Helden eben nicht mehr umbiegen.

So jetzt mag ich nicht mehr mit euch zusammen über Motorräder im Sommer nachdenken. In diesem Sinne, kommt gut durch die Hitze. Stets viel Mineralwasser trinken und erst dann die Sonne geniessen.

Euer Präsident.
Markus

Last update: 08.10.2017
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü