Editorial des Präsidenten - TCS-Motorradgruppe

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Editorial des Präsidenten Markus Dürrenberger

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Die Temperaturen liegen gerade weit unter dem Gefrierpunkt und ich habe Zeit etwas zu schreiben. Es ist nicht dran zu denken, mit dem Motorrad zur Arbeit zu fahren. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel haben Mühe. Die Weichen klemmen, die Türen vereisen und alle sind gestresst. Fällt dann Schnee, läuft gar nichts mehr. Ich frage mich warum? Wir alle wussten doch, dass unsere Winter solche Verhältnisse annehmen können. Wir glauben, wir hätten alles unter Kontrolle, und doch bricht das Verkehrs-System bei kleinstem Anlass zusammen. Möglicherweise liegt es daran, dass wir mit Verdichten des Verkehrs langsam an eine Grenze stossen, die Störungen durch Wetter und Natur nicht mehr erlaubt.

Die logische Folge wäre allen Verkehr unter den Boden zu verlegen. In 2 Metern Tiefe gibt es immer 15 Grad Celsius. Der Stress im Individualverkehr erlaubt ja auch keinen Blick mehr in die Gegend zu riskieren. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln macht es auch keinen Spass mehr, denn sehe ich aus dem Fenster sausen nur noch Schallschutzwände an mir vorbei. Fahrradfahren ist auch Stress, vor allem in den Städten. Es gibt zwar Fahrradstreifen und Fahrradwege, aber die Gefährdung durch den übrigen Individualverkehr ist gross. Die Fahrradwege sind alles Andere als direkte Linie. Wer will schon im Zick-Zack durch die Stadt fahren.

Kein Wunder, dass sich alle lieber mit ihren Kästli abgeben als mit der realen Welt. Oder ist unsere reale Welt etwa doch die virtuelle Welt unserer Kästli geworden? Unser Anspruch ist, keine Minute ohne Unterhaltung von aussen zu sein. Langsam weiss niemand mehr etwas mit Natur anzufangen. Die stört bloss. Zu nass, zu kalt, zu heiss, bergauf zu mühsam, bergab zu windig, egal wie, es ist einfach immer falsch.

Da gibt es aber immer welche, die schwimmen gegen den Strom. Sie sind der Meinung nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Ob ihr dazu gehört, wisst ihr dann, wenn ihr folgende Übung mit Erfolg gemacht habt. Setzt euch hin, fokussiert eure Augen ins unendliche und denkt an absolut nichts. Gelingt euch das 10 Minuten lang, fühlt ihr euch gut entspannt. Was lehrt uns das? Wir müssen hin und wieder aus dem Hamsterrad springen, das uns täglich zwingt, schneller, produktiver und gewinnbringender zu rennen.

Und jetzt komme ich zu unserem Hobby, dem Motorradfahren. Die Minderheit der Menschen können, wenn man sie fragt, innert Sekunden ein Hobby angeben. Angeblich ist jeder Kilometer, den wir für unser Hobby mit dem Motorrad zum Spass fahren unnütz und belastet die Umwelt. Stellt euch einmal einen Montagmorgen vor, nachdem ihr am Sonntag mit Freunden eine schöne Motorradtour gemacht habt und dann den Unterschied zu einem Sonntag mit Fernsehen den ganzen Tag. Was für ein Unterschied. Strassen in der Natur. Je mehr Kurven, umso lieber. Es gilt kein Ziel möglichst schnell zu erreichen. Der Weg ist das Ziel. Der Wind um die Ohren. Die Gegend vor den Augen. Ist das wirklich so unnütz?

Natürlich gibt es neben Motorrad fahren noch viele andere Wege, sich in der Natur zu entspannen. Aber das ist nun mal mein Weg. Ich lasse mir den nicht nehmen und ich lasse mir den nicht mies machen. Notfalls lasse ich mir diesen Weg elektrifizieren.

Ich freue mich schon, wenn es nach den Skiferien draussen wieder nach Frühling riecht, die Vögel lauter pfeifen und das Summen der Bienen wieder zu hören ist. Ich schaue in die Ferne und denke an gar nichts. Dann kommt diese Lust. Ich fahre mit dem Motorrad lieber über den Chall in die Stadt, obwohl das 15 Minuten länger dauert. Abends drehe ich noch eine kleine Runde durchs Elsass auf dem Heimweg. Einfach zum Spass. Und es macht mir Spass. Meine liebe Frau sagt immer, du wirst eines Tages im Elsass im Wald liegen, begraben unter deiner Maschine. Keine schlechte Vorstellung. Das wäre möglicherweise das Richtige für mich. Aber vorläufig bin ich noch viel zu jung dafür. Und so rufe ich sie immer an bevor ich mich auf den Heimweg mache. Ich sage ihr, dass es heute möglicherweise wieder etwas länger dauern könnte. Ich mache noch eine kleine Runde durch das Elsass. Es ist erstaunlich, dass es dann unterwegs so wenig Autos hat. Die sind wahrscheinlich alle in Basel von den verlängerten Rotlichtphasen aufgehalten worden. So können nicht nur die Stadtbewohner von dieser Massnahme profitieren, sondern auch ich. Aber all diese Gedanken verblassen schnell, wenn ich der Abendsonne entgegen nach Westen fahre. Mein Gehirn wird leer. Ich denke an gar nichts. Die Sorgen des Tages sind verflogen. Nur noch Kurven, eine nach der andern. Dies ist mein Entspannungsexperiment.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Start in die neue Saison. Denkt daran, erst mal einen Tag an die Maschine gewöhnen, nicht gleich an die Grenzen eurer persönlichen Leistung gehen.

Last update:01.10.2018
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