Editorial des Präsidenten - 15 - TCS-Motorradgruppe

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Editorial des Präsidenten Markus Dürrenberger


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Sonne wird kräftiger, die Tage länger, der Winterblues ist vorbei. Ich öffne die Garage und da stehen sie, meine Lieblinge. Fein säuberlich aufgereiht, alle an einem elektronischen Ladegerät hängend, wie Patienten an der Infusion. Alle wurden über Winter poliert, haben einen vollen Tank und frisches Öl, der Luftdruck ist geprüft. So habe ich das gelernt. Welchen nehme ich denn jetzt? Die Wahl fällt auf die rote K100 LT. Sie ist einfach
die grösste Herausforderung. Wird sie anspringen? Zum Fahren ist sie eine echte Perle. Nichts von all den modernen Hilfsmitteln. Bockig und kopflastig ist sie. Aber meine Frau liebt sie, denn sie sitzt so bequem hinten drauf. Solange meine Frau hinten drauf sitzt, ist sie auch nicht kopflastig. Keine Sprüche, meine Frau ist schlank! Tschoke rein und auf den Anlasser gedrückt. Ja sie springt an. Die ungereinigten Abgase hinterlassen ihren charakteristischen Geschmack. Meine Kleider werden noch lange danach riechen. Ich schwinge mich auf die Maschine und schon nach den ersten 100 Metern beginnt dieses Gefühl von Vertrautheit. Der Seitenständer
und das Wärmeschutzblech am Auspuff klappern noch so wie immer. Auf die alte K100 ist Verlass. Sie nimmt das Gas noch schlecht an, doch das wird spätestens auf dem Gempen vorbei sein.

Die Sonne scheint, der Wind streicht noch kühl um meinen Kopf. Ich geniesse das Gefühl der Freiheit still in mich hinein. Da überholt mich eine Suzuki RR GTS TT. Ich wäre fast vom Motorrad gefallen. Lässig streckt der Fahrer vor mir verschwindend seinen rechten Stiefel an den Boden, der einen Funkenregen hinterlässt als wollte er sagen «Tschüss alter Sack». Ich überprüfe meine Geschwindigkeit. Ich hab doch schon 80 drauf. Hat der einen besseren Tacho als ich? Etwas verärgert gebe ich auch ein wenig mehr Gas. Da werde ich angeblitzt. Ich erschrecke schon wieder. Ich schaue in den Rückspiegel. Da steht der Kasten, versteckt hinter einer Scheunen-Ecke am Strassenrand. Es ist so ein Anhänger-Kasten mit eingeklappten Rädern. Hat der mich nur von vorne
oder auch von hinten fotografiert? Es lässt mich nicht mehr los. Ich habe doch glatt die oberste Regel im modernen Strassenverkehr vergessen: Wie immer sich die Andern verhalten, lass dich nicht provozieren. Oder vulgär gesagt: «So was muss dir einfach am Arsch vorbei gehen.» Die Freude an der kleinen Ausfahrt war gedämpft. Meine K100 lief mittlerweile wieder super sanft. Auch das Rasseln der Steuerkette bei heissem
Motor ist zurückgekommen. Es ist doch wirklich Verlass auf sie. Ich beschliesse noch einen kleinen Umweg zu fahren und auf der Ponyranch einen Kaffee zu trinken. Auf dem Parkplatz fällt mir sofort eine eher unangenehme Szene auf. Ein Patrouillen-Fahrzeug der Polizei ist da und die Suzuki RR GTS TT. Ich gönne ja niemandem was
Schlechtes, aber der Kaffee schmeckt mir jetzt doppelt so gut. Von der Terrasse aus kann ich beobachten,
wie die Suzuki RR GTS TT auf einen Anhänger verladen wird und der Fahrer auf dem Beifahrersitz des Zugfahrzeugs Platz nimmt. Als sie vor dem Restaurant vorbei wegfahren rufe ich dem Fahrzeug nach «Tschüs Trottel». Die Leute um mich herum schauen mich erstaunt an. Von dem Blitzer hinter dem Bauernhof habe ich nie einen Brief bekommen. Er hat aber trotzdem seine Wirkung gehabt. Ich habe mir vorgenommen einfach
die Geschwindigkeits-Vorschriften diese Saison einzuhalten. Komme was da wolle. Es gibt auch Strecken, auf denen erlauben die Kurven nicht, die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. Mein Geheimtipp ist
der Schwarzwald und der Französische Jura. Spass soll sein, aber denkt dran, immer mit Reserve.

Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Saison.
Euer Präsident

Last update: 08.10.2017
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