Slowenien-Wochentour - TCS-Motorradgruppe

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Fotos - Berichte > 2018
Kärnten und Slowenien – 3'303 km Freude
Wenn man die Motorrad-Kleider anzieht, ist es ein wenig, als würde man ein anderes Leben überstreifen. Erwartungen verändern sich, Hoffnungen werden geweckt. Jedenfalls ist es bei mir so. Die Hoffnung auf ein normales WC bei einem Halt bleibt zu Hause, die Erwartung auf eine schöne Tour durch wunderschöne Gegenden und mit Kollegen, die auf einen warten an den Abzweigungen hingegen wachsen. Man lässt das «Sie» zu Hause und wird überall zum «Du». Motorradfahrer duzen sich und werden oft auch geduzt, von anderen Verkehrsteilnehmern, vom den Bedienungen im Restaurant oder Café und es ist okay. Man ist unkompliziert.

Die diesjährige Club-Woche führte uns nach Kärnten und von dort aus durch das Dreiländereck Österreich-Slowenien-Italien. Wir sind mit Andi und Yvette sowie mit Catherine in 2 Tagen via Landquart-Meran-Bozen angereist und haben die Anderen dann in Unterbergen im Gasthof zur Post angetroffen. 20 Motorräder mit 23 Personen, eine Herausforderung für jedes Hotel. Wir haben uns dann so organisiert: Frühstück ab 7 Uhr, 8.30 Uhr Abfahrt in 2 Gruppen, zwischen 18 und 18.30 Uhr Rückkehr, zwischen 19 und 19.30 Uhr Abendessen am grossen Familien-Tisch. Mit Lunch ausgerüstet konnten wir anhalten, wo wir wollten und wirklich jedes Mal haben wir ein schönes Eckchen gefunden um unsere Pausen zu machen.
 
Da die Touren zwar schön, aber doch immer recht lang waren, sind die nicht so lange ausgefallen wie die letzten Jahre. Die Strassen in Slowenien waren gesamthaft gesehen doch einiges besser als die in Kärnten (AT). Aber in beiden Ländern hatte es richtige «Po-Rüttler» und «Nieren-Schläger» dabei. Als Beispiel unser Haus-Pass, der Loibl-Pass. Die Verbindung zwischen Österreich und Slowenien ist interessanterweise auf der Slowenischen Seite recht gut und zügig befahrbar. Bis zum Zoll, wo wir jedes Mal bei der Einreise die ID zeigen durften/mussten/wie auch immer. Vermutlich wollten die nur unsere Maschinen anschauen. Jedenfalls ist die andere Seite knackig: enge Kurven mit Löchern in der Grösse von Schwimmbädern (gefühlt) wechseln sich mit Flicken-Strecken ab, die nur von Haarnadelkurven getoppt werden. Und doch hat’s Spass gemacht. Und (meiner Maschine und mir) hat es gefallen auch mal zügig über die Landstrassen fahren zu können ohne den Tacho im Auge zu halten. An der richtigen Stelle der Gruppe kann jeder sein Tempo fahren und trotzdem weiss man: am nächsten Abzweiger steht jemand und nimmt mich mit. Und wenn dann der Hintermann/die Hinterfrau noch nicht da ist, macht man das Gleiche: Man wartet in Ruhe und fährt erst weiter, wenn auch dem Nächsten klar ist, wo es weitergeht. So kann jeder sein Tempo fahren ohne gestresst zu sein und den Urlaub geniessen.

   

Wettermässig hatten wir sehr viel Glück. Es war trocken und warm bis heiss. Zum Glück konnten wir fahren. Der Fahrtwind hat doch etwas abgekühlt. Aber eine der schweisstreibendsten Strecken war die durch den Wald. Was ich da geschwitzt habe, meine Güte. 15km den Berg hoch durch Wald, auf der anderen Seite wieder runter, mit engen Kurven, unübersichtlichen Stellen und der Hoffnung, dass kein Auto entgegenkommt. Auf Schotter! Nicht gerade mein Lieblingsuntergrund. Der der anderen auch nicht. Und das hat gestaubt, puh. Aber wir haben es sturzfrei hinter uns gebracht. Genauso wie die «Pitumen-Strasse» in beiden Richtungen.

Ein besonderer Ausflug war am Mittwoch via Autobahn nach Lipica und von dort aus weiter nach Piran. Ich bin für den einen Tag auf den Soziasitz von Olivier gestiegen. Autobahn ist nicht so mein Ding. Der Zufall wollte es, dass wir bei Ankunft auf dem Gestüt Lipica eine Führung mitmachen konnte. Die Ortschaft «Lipica» hat seinen Namen von den Linden-Bäumen, die man überall stehen und riechen kann. Dann kam das Gestüt und die weissen Pferde, die dann «Lipizaner» genannt wurden. Als dunkle Fohlen geboren, wechseln die allermeisten im Alter von 6-7 zu weiss, werden 5-6 Jahre trainiert, bis sie dann für 20-23 Jahre in die Shows kommen. Die Schimmel sind bekannt dafür, dass sie aussergewöhnliche Kunststücke und Bewegungen (Kapriolen) machen können, die andere Pferde-Rassen nicht können. Es werden ausschliesslich Hengste trainiert, die Stuten bleiben mit ihren Fohlen auf den Weiden und werden nur für die Zucht eingesetzt. Oder für Kutschenfahrten. Der Tagesablauf der Pferde ist genauso durchstrukturiert wie der von anderen Spitzensportlern mit Trainingszeiten, Ausruhzeiten und genau bemessenem Speiseplan. Dann bin ich lieber ich und in den Ferien und kann mir ein Eis und Kuchen gönnen, wann und wo ich will!.

   

Piran war dann vergleichsweise nur noch ein Katzensprung entfernt. Die Vegetation hat sich langsam verändert, es roch nach Nadelbäumen und Meer. Und es war heiss!! Von Piran aus kann man über das Meer direkt Venedig sehen. Gebadet wird von der Promenade aus. Kurz ins Wasser hüpfen wäre herrlich gewesen….. Aber die Zeit, die Zeit….

 

Die Abende waren kurz, meist hat es einfach noch gereicht duschen zu gehen, sich umzuziehen, allenfalls noch einen Apéro zu nehmen und dann ab zum Abendessen. Ein kurzer Absacker und dann war bei mir Feierabend. Praktisch jeden Tag 300km fahren hat seinen Tribut gefordert in Form von früh zu Bett gehen. Mit einem Lächeln bin ich die schönsten Strecken im Schlaf nochmals abgefahren. Zum Beispiel die Goldeck-Panoramastrasse. Oder den Vrsic-Pass (V’s auf dem s und c fehlen). Lubljana habe ich auch nochmals in Ruhe angeschaut. Bei Ankunft am Treffpunkt war ich ziemlich gestresst: Fremde Stadt, kein Parkplatz, viele Baustelle und doch etwa 12 Motorräder die man nicht verlieren sollte. Und dazu kam, dass es einfach nur heiss war. Nach einer Stunde Herumgegurke fanden wir dann doch eine Möglichkeit bei der Drachenbrücke um die Töff’s hinzustellen und ein wenig durch die Stadt zu bummeln. Auch hier hatten wir zu wenig Zeit, aber immerhin haben wir die grüne Hauptstadt von Slowenien kurz anschauen können.

 

Den einzigen Regen haben wir am Abfahrtstag erlebt. Und wie. Zum Glück hat unser Tourenorganisator die Fahrt um eine Stunde nach hinten verschoben. Die individuell zurück Reisenden sind noch später losgefahren. So kamen wir doch einigermassen dem Fluss Drau entlang trocken in Maribor an. Dort konnten wir Mittagessen und uns die Beine ein wenig vertreten. Ein kleiner Teil ist dann direkt nach Graz gefahren, wir haben bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein noch eine letzte Tour durch Slowenien unternommen. In Graz angekommen, haben wir die Motorräder beim Autoverlad hingestellt und sind Abendessen gegangen. Verladen konnten wir sie erst später, eine knappe Sache für die Köpfe…. Nach Bezug der Schlafwagen noch ein letzter Schlummertrunk und dann einfach hoffen, dass man gut schlafen kann. Was mir recht gut gelungen ist. Anderen leider weniger.
 
In Feldkirch sind wir so gegen 20-nach-7 am Morgen angekommen, die Tour war zu Ende, Heimfahrt individuell. Olivier und ich haben uns für die direkte Variante entschieden: Autobahn, nach Hause, genug gefahren. Catherine hat sich uns angeschlossen. Zum Glück war der Po schon eingefahren. Ich denke anfangs Ferien waren 200km - mit einer kurzen Pause - am Stück noch nicht so einfach zu fahren wie jetzt am Schluss. Und wie es sich für gute Motorradfahrer gehört ist nach der Tour vor der Tour: Unsere Stahlrosse wurden wieder gefüttert und gewaschen und stehen schon wieder bereit für die nächste Herausforderung.

Zusammengefasst gesagt kann man also sagen:
 
Die Abende am Abendessen-Tisch verliefen wie in jeder grossen Familie lebhaft. Und ich denke, unter dem Strich sind wir genau das: eine TCS-Motorradgruppen-Grossfamilie Mit kleineren Reiberein, viel Gelächter und guten Gesprächen. Auch wenn glaube ich alle am Abend immer müde waren.
 
Wir haben wunderschöne, unfallfreie, ziemlich lange Touren gehabt, die teilweise doch anspruchsvoll waren. Aber die Zeit war es wert. Meine Maschine und ich hatten richtig viel Spass! Es war herrlich auf guten Überlandstrassen auch mal 100 fahren zu können ohne den Tacho im Blick haben zu müssen. Den einen oder anderen Polizisten haben wir vielleicht frustriert weil wir dennoch im Rahmen des erlaubten gefahren sind, aber das ist nicht unser Problem.
 
Danke an den Organisator Andi Merz (Vorstand) und die beiden einspringenden weiteren Vorstandsmitglieder für die Gruppenführung Bio und Andi F. Vielleicht schaffen es an der nächsten Tour auch einmal Nichtvorstandmitglieder mit dem Navi vorne eine Tour zu leiten.
 
«Hvala» für’s lesen und wir sehen uns sicher wieder!
Eure Ex-Sozia Ursi


Last update:28.06.207
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